Behandlung von Knochenbrüchen

A) Knochenbrüche, die durch geeignete Lagerung ruhig gestellt werden

1. Schädelbasisbruch

Wird noch gesondert besprochen

2. Hirnschädelbruch

Die Hirnschädelbrüche entstehen durch direkte Gewalteinwirkung auf den Kopf oder durch Sturz. Liegt zugleich eine Wunde auf der Stirn oder im Bereich des behaarten Kopfes vor, drohen die Gefahren einer offenen Hirn-Schädel-Verletzung. Bestimmend für den Schweregrad einer derartigen Verletzung ist das Ausmass der Schädigung des Gehirns. Die erste Hilfe besteht in einer Lagerung auf die unverletzte Seite.

3. Rippenbruch

Der Rippenbruch hat seine Ursache vorwiegend in einer direkten Gewalteinwirkung durch Stoss oder Schlag. Bei grossflächigen Kompressionen, beispielsweise bei einer Verschüttung, kann eine Reihe von Rippen gleichzeitig brechen, so dass die Stabilität des Brustkorbs beeinträchtigt wird. Charakteristisches Zeichen ist ein atemabhängiger Schmerz. Der Verletzte versucht diesen Schmerz durch möglichst flache Atmung zu vermindern. Eine Schmerzlinderung kann auch durch Druck des Verletzten auf die gebrochene Rippe oder durch eine Lagerung auf die verletzte Seite erfolgen, da dann die atemabhängigen Bewegungen der verletzten Seite vermindert werden oder nur noch eine geringfügige Bewegung der Bruchenden gegeneinander erfolgt. Der Verletzte darf seinem Wunsch entsprechend gelagert werden. Er nimmt in der Regel die optimale Schonhaltung selbst ein. Unter Umständen kann auch eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Atemfunktion entstehen, wenn durch eine Reihe von Rippenbrüchen der Brustkorb instabil wird.

4. Unterkieferbruch

Ein Unterkieferbruch entsteht meist durch direkte Gewalteinwirkung, wie beispielsweise einen Schlag. Er ist durch Schmerzen bei Bewegungen im Kiefergelenk gekennzeichnet. Gelegentlich fällt eine von aussen erkennbare Stufenbildung im Bereich der Bruchstelle auf. Manchmal findet man ausge-brochene Zähne oder Prothesenstücke und Wunden im Bereich der Lippen und des Mundraumes vor. Wunden im Bereich des Unterkiefers sind fast immer vorhanden. Die Gefahr des Unterkieferbruchs besteht im Auftreten einer starken Blutung, die bei getrübten Bewusstsein sogar zur Aspiration führen kann. Ist der Verletzte bei klarem Bewusstsein, so soll er vornübergebeugt sitzen und dabei den Kopf in den Händen abstützen. Ist die Blutung aus dem Mund sehr stark, so soll der Verletzte in Bauchlage gebracht werden. Die Stirn kommt dabei auf den übereinandergelagerten Unterarmen zu liegen.

5. Wirbelbruch

Ein Wirbelbruch entsteht meist durch Stauchung, also beispielsweise durch einen Sturz aus grosser Höhe oder einen Kopfsprung in seichtes Wasser, seltener durch direkte Gewalteinwirkung. Die besondere Gefahr bei Verletzungen an der Wirbelsäule liegt in der Möglichkeit der Mitverletzung des im Wirbelkanal verlaufenden Rückenmarks. Bei einer Verletzung der Halswirbelsäule besteht dabei auch die Gefahr einer Atemstörung als Folge der Rückenmarkschädigung.

Die Rückenmarkschädigung kann schon durch das Unfallereignis selbst, aber auch durch Bewegen des Verletzten nach dem Unfall erfolgen. Man erkennt den Wirbelbruch an Rückenschmerzen, die der Verletzte besonders bei Bewegungs-versuchen angibt. Eventuell kann er sich nicht mehr selbst aufrichten. Ein Kribbeln oder eine Gefühllosigkeit in den Beinen sowie Lähmungen und ein unwillkürliches Abgehen von Stuhl und Urin sprechen schon für eine Mitbeteiligung des Rückenmarks.

Da die Rückenmarkschädigung auch durch unsachgemässes Bewegen des Verletzten hervorgerufen werden kann, ist der Betroffenen in der Regel in der vorgefundenen Lage am Unfallort zu belassen, bis Arzt oder Rettungsdienst am Unfallort eintreffen, wenn nicht eine lebensbedrohliche Zusatzgefahr die Rettung aus dem Gefahrenbereich erfordert. Dabei soll so schonend wie nur irgend möglich vorgegangen werden. Der Betroffene ist in der vorgefundenen Lage vorsichtig wegzuziehen. Bei bewusstlosen Verletzten ist das Vorliegen eines Wirbelbruchs am Unfallort kaum festzustellen (fehlende Schmerzäusserung). Lässt der Unfallhergang eine Wirbelsäulenverletzung vermuten, dann sind alle notwendigen Massnahmen sehr vorsichtig auszuführen. Die Seitenlagerung muss trotzdem durchgeführt werden, da die Aspirationsgefahr vordringlich zu bekämpfen ist. Eine Schädigung des Rückenmarks durch das Herstellen der Seitenlage ist in der Regel nicht zu befürchten, kann aber auch nicht sicher ausgeschlossen werden.

Der Ersthelfer sollte sich hüten, selbst beim Vorliegen von eindeutigen Symptomen am Unfallort Worte wie „Querschnittlähmung“ oder „Rückenmarkverletzung“ auszusprechen. Der Rettungsdienst ist durch einen entsprechenden Notruf zu alarmieren, wobei auf den Verdacht einer Verletzung der Wirbelsäule hingewiesen werden soll.

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B) Knochenbrüche, die durch Festlegen mit geeignetem Material ruhiggestellt werden.

1. Oberschenkelbruch

Der Oberschenkelbruch entsteht durch Sturz auf die Hüfte oder durch die kombinierte Einwirkung direkter Gewalt, bestehend aus Biegung, Drehung und Stauchung. Wegen der Begleitverletzung von Blutgefässen sind diese Brüche oft von einem erheblichen Blutverlust, der zum Schock führt, begleitet. Eine Fehlstellung oder Verkürzung des Beins, Schmerzen, Belastungs- und Bewegungsunfähigkeit stellen die typischen Kennzeichen dar. Bei alten Menschen treten häufig Brüche am beckennahen Gelenkkopf auf (Schenkelhalsbruch).

2. Unterschenkelbruch

Der Unterschenkelbruch hat seine Ursache meist in einer direkten Gewalteinwirkung. Biegung, Stauchung und Drehung bilden die Einzelkomponenten dieser vor allem bei Skifahren häufig vorkommenden Verletzung. Oft erkennt man schon am Unfallort falsche Beweglichkeit oder Stufenbildung. Eine Belastungsunfähigkeit des Beins oder ein starker Schmerz sind typisch. Unterschenkelbrüche sind häufig offene Knochenbrüche. Wenn nur einer der beiden Unterschenkelknochen gebrochen ist, kann eine sichtbare Deformation fehlen.

3. Knöchelbruch

Auch der Knöchelbruch gehört zu den häufigen Verletzungen und wird meist durch direkte Gewalteinwirkung bedingt. Ein typischer Unfallhergang ist ein Schlag gegen das Sprunggelenk beim Fussballspiel. Der Bereich des Sprunggelenks ist dann verformt und geschwollen, oder es ist eine Stufenbildung tastbar.

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Bemerkung

Bei allen beschriebenen Knochenbrüchen versucht man, das betroffene Bein nicht zu bewegen, sondern in der vorgefundenen Stellung ruhig zu stellen und diese Lage mit Hilfe von geeignetem Material, mit dem man die verletzte Extremität umlagert, zu fixieren. Dazu kann man beispielsweise gerollte Kleidungsstücke, Decken, Kissen oder Sandsäcke verwenden, die sich leicht anmodellieren lassen. Die erreichte Fixierung soll durch zusätzliches Umlagern mit schwerem und festem Material, z.B. mit Steinen, Kisten und Koffern gesichert werden. Eine Schienung ist alleinige Aufgabe des Rettungsdienstes.

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Quelle

Buchfelder M., Buchfelder A., Handbuch der ersten Hilfe, 3. Auflage,
Stuttgart, New York: Schattauer 1999; 142-153
zusammengestellt von Severin Dünnbier

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