Rendez-vous mit Martin Engeler

21. Dezember 2011

Zeitungsartikel der Riehener Zeitung vom 16. Dezember 2011

Vom Krebslein zum Jugendnati-Trainer: Martin Engeler in der Schwimmhalle Wasserstelzen, wo er früher als Badmeister wirkte. Foto: Michèle Faller

 

mf. Er ist seit sechs Jahren Jugend und seit anderthalb Jahren Erwachsenentrainer bei der SchweizerischenLebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) Sektion Basel und betreut die SLRG-Webseite für die jugendlichen Rettungsschwimmer. Er schwimmt selber wettkampfmässig und bringt in Kursen Anfängern das Schwimmen bei. Vorletzten Sommer kam die Ehre hinzu, die Jugendnationalmannschaft im Rettungsschwimmen zu trainieren. Für einen 22-Jährigen ist das ein beeindruckender Werdegang. Ob da eiserne Disziplin oder ein angeborener Retterinstinkt dahintersteckt?

Martin Engeler lächelt etwas verlegen: «Ich wollte einfach schwimmen.» Und mit elf Jahren hatte er alle die «Kürslein» gemacht und die Abzeichen von Krebslein bis Eisbär bekommen. «Meistens entscheidet man sich nach dem Eisbär für eine bestimmte Disziplin wie Wasserball, Turmspringen oder eben Rettungsschwimmen.» Dass seine ältere Schwester schon bei der Lebensrettungs-Gesellschaft war, habe dann den Ausschlag gegeben, ergänzt der junge Mann treuherzig. Es folgte kurz darauf das Jugendbrevet, das nötig ist, um an Wettkämpfen teilzunehmen,und mit 16 dann das Brevet1 (das heutige Brevet Plus Pool), womit man bei den Erwachsenen mitmischen kann. Die Frage nach eingeheimsten Preisen lenkt Engeler in eine andere Richtung: Als Trainer habe er bis jetzt öfters gewonnen denn als Schwimmer. Überhaupt macht der 22-Jährige einen bescheidenen Eindruck. Die Freude und der Stolz über den Erfolg sind ihm wohl anzusehen,doch muss man ihm Zeugnisse davon eher entlocken als dass er selber zu vieldavon sprechen würde.

Einer der vielen Vorteile des Hobbys Schwimmen sei, dass man als Badmeister arbeiten oder Schwimmkurse geben kann. Ersteres machte der engagierte junge Mann während etwa zwei Jahren in der Schwimmhalle des Wasserstelzen-Schulhauses, die dreimal pro Woche so etwas wie ein öffentliches Riehener Hallenbad ist, sowie in den Sommerferien im «Joggeli» und Eglisee. Heute verdient er sich nebendem Studium etwas Geld mit den Schwimmkursen. Ansonsten sei mit dem Rettungsschwimmen in der Schweiz nicht viel Geld zu machen. Die ganze Arbeit für den Verein sei ehrenamtlich; als Trainer der Jugendnationalmannschaft erhalte er eine kleine Entschädigung. «Auch in der Nati bei den Erwachsenen verdient man nicht viel mehr», stellt er grinsend klar. In anderen Ländern wie zum Beispiel Italien könne man vom Rettungssport leben, erklärt Engeler. «Und in Australien, wo das Rettungsschwimmen herkommt, ist das sozusagen der Nationalsport.» Die Schweizer Jugendnationalmannschafthingegen sei immer wieder auf der Suche nach neuen Sponsoren, betont der Trainer. Auch hier werden zwar Wettkämpfe nicht nur im Pool, sondern auch in offenen Gewässern wie Seen und Flüssen durchgeführt. Der Grund für das im Vergleich zu Australien hierzulande kleine Renommee der Sportart: das fehlende Meer.

Beim Rettungsschwimmen gefällt Martin Engeler vor allem die Vielfalt der Disziplinen. «Man muss nicht nur 50 Meter ‹bolzen› können, sondern auch mit den Geräten etwas drauf haben.» Disziplinen sind etwa «Puppenabschleppen», wobei eine mit Wasser gefüllte Phantompuppe «gerettet» werden muss, die Rettungsbrett-Stafette, bei der man sich mit dem Oberkörper auf einem Holzbrett liegendso schnell wie möglich fortbewegen muss, kombinierte Disziplinen mit Tauchen und der Rettungsball-Zielwurf, um nur einige zu nennen. Beispiele für den internationalen Wettbewerb sind das «Beachrunning» über zwei Kilometer im Sand oder das Rettungskajak. Als Trainer gefällt Engeler vor allem, dass das Rettungsschwimmen eine ausgesprochene Teamsportart ist, bei der je nach Disziplin auf die individuellen Stärken der Einzelnen gesetzt wird.

Jemanden herausziehen musste der junge Rettungsschwimmer bis jetzt erst einmal, als er im Eglisee als Badmeister arbeitete. Auch in der Freizeit sei er automatisch schneller alarmiert, wenn er etwa jemanden alleine weit draussen schwimmen sehe. Freizeit ist zwar neben dem Studium der Geowissenschaften, den Trainings und Schwimmkursen nicht in Hülle und Fülle vorhanden, doch reicht es, um ab und zu mit seiner Band «Intracts», die noch zu Schulzeiten gegründet wurde, das Schlagzeug zu bearbeiten. Regelmässige Proben seien, da der eine Kollege in Zürich und der andere in Chur studiere, allerdings schwierig geworden und der nächste Auftritt stehe noch nicht fest. Ebenfalls etwas besser geplant will die Freizeit mit seiner Freundin Patrizia sein, die zwar von Bettingen kommt, aber in Zürich studiert. Zum Glück gibt es da noch Ferien, die die beiden am liebsten reisend verbringen, um die Welt ein bisschen kennen zu lernen. Und dort gibt es ja immer wieder Orte mit Meer, dem Lieblings-Freizeitgewässer von Martin Engeler.

Wer sich ebenfalls gerne im Wasser tummelt, sich mindestens eine Länge im Wasser fortbewegen kann, zwischen 9 und 16 und an einem Probetraining interessiert ist, der oder die werfe doch einen Blick auf www.slrgbasel.ch/jugend und setze sich mit dem Jugendleiter Martin Engeler in Verbindung. Er freut sich über alle neuen Interessierten.